Sonntag, 7. Oktober 2012

Ein wilder Ritt durch die Legende: Der neue König.

Gelbe Bücher, 1 von 2: Elftausend Jungfrauen von Ralf König.



Am kommenden Samstag, den 13. Oktober, ist die Eröffnung einer großen Ausstellung zum „Ursula-Projekt“ im zünftigen kölnischen Stadtmuseum, und ich kann nur hoffen, dass die Veranstalter wussten, was sie sich da an die Wände holen, denn die ELFTAUSEND JUNFGRAUEN sind mit Abstand der schamloseste König seit vielen, vielen Jahren. Die „Typen“-Trilogie (Prototyp, Archetyp, Antityp) fuhr auf dem Gebiet der Körpersäfte einen sanfteren Kurs, als man gewohnt war, was neben der Thematik auch dem Umstand geschuldet war, dass die Comics in der FAZ veröffentlicht wurden. Und eine BUKKAKE-Szene in der Frühstückszeitung ist nun mal nicht jedermanns Sache.
Es ist gar nicht so einfach, allzu viel über die URSULA zu schreiben, denn auch wenn man den Dialogen und der Handlung anmerkt, dass Ralf König die Legende und den Katholizismus sehr gründlich recherchiert hat, ist ELFTAUSEND JUNGFRAUEN einfach nur ein grandioser, schamloser Spaß, der an die ruppigen, wilden Zeiten einer LYSISTRATA erinnert.
Der Frauenanteil in den "Jungfrauen" ist naturgemäß beachtlich.

Die Legende der Ursula hat nicht viele literarische oder filmische Verarbeitungen erfahren, was vor allem daran liegt, dass es eigentlich nicht viel zu erzählen gibt. Ursula zieht mit ihren elftausend Jungfrauen los, fährt von A nach B und dann nach C, und das ist eigentlich die Geschichte. Im Falle von Ralf König ist das eine sehr gute Nachricht, denn so lebt das Buch von den wunderbaren Dialogen und obskuren Charakteren, ohne dass noch eine allzu komplexe Handlung zu jonglieren wäre, und so giggelt, kichert und gackert man sich durch die Seiten wie lange nicht. Der Hauptquell des Humors liefert neben den Charakteren der Katholizismus selber, dessen Heilige und Heiliginnen sich oftmals nur dadurch verheiligten, dass sie die bizarrsten Selbstverstümmelungen über sich ergehen ließen, um auch ja jeden Gedanken ans Ficken aus dem Körper zu treiben.
Viele Katholiken hatten im Mittelalter eine sehr ungeschmeidige Haltung zum Sexualtrieb.
Dennoch ist das Ganze komplett frei von Didaktik, Belehrung und Zeigefinger.  Die Handlung, wie gesagt, ist extremst schnell erzählt: Ein Haufen obskurer Charaktere fährt durch die Gegend, und ab und zu findet sich jemand mit einem Genital im Mund wieder, wie der herrliche Aetherius, der bei jedem Sex ausgiebig lamentiert, was für eine würdelose SCHLAMPE er sei und wohin das eigentlich noch führen solle.

Auch das Ende ist weitaus erfreulicher und leichtfüßiger als in der Vorlage und schliesst das Buch mit einem absurden, aber sehr komischen TWIST und einer der feudalsten Massenszenen, die der Comic je gesehen hat. Die opulenten 180 Seiten der „Jungfrauen“ vergehen wie im Flug, und das Buch ist definitiv mein Lieblings-„Funny“ von 2012.

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