Freitag, 7. September 2012

What's your thing? Dave Sim, Terry Moore, Bill Watterson


First of all, we need to identify what it is that we really want. Because that’s what’s going to come out. - Steve Vai
Sincerity is what makes a comic book successful and insincerity is what makes it not successful- Dave Sim
Vor einiger Zeit hatte ich auf diesem Blog ein gefaktes Interview mit Steve Vai, Alan Moore und Stephen Pressfield zum Thema Erfolg.  Erfolg, ist eine der Erkenntnisse dieser Leute,  ist nicht Geld oder Berühmtheit. Erfolg ist, wenn man machen kann, was man will.
Aber was wollen wir?
Und dieser Frage ist das größte Problem vieler beginnender Zeichner und Autoren, oder generell aller beginnenden kreativen Menschen.  Was GENAU wollen wir ? „Was kreatives“. Ein bisschen schreiben, krakeln, illustrieren, alles klar aber was will ich wirklich, und wo gehöre ich hin? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist eine der größten Aufgaben unseres Lebens, ein immenses Glück, wenn man diese Antwort früh findet, und eine große Tragödie, wenn man diese Antwort nie findet. Und das passiert vielen Menschen, sehr oft.
Auf der Suche nach Interviews mit dem sehr kontroversen, aber auch sehr, SEHR talentierten Dave Sim stiess ich auf eine Resource mit Artikeln, die er in den Neunzigern schrieb, und unter anderem auf einen Artikel über die Wichtigkeit von Aufrichtigkeit. Dave Sim schreibt, wenn etwas ehrlich ist, wird es ein Erfolg, und wenn etwas nicht ehrlich ist, wird es ein Misserfolg. Und dabei spricht er nicht von autobiografischen Autoren, die den Schorf unter ihren Achseln beschreiben. Er spricht von Autoren, die mit aller Konsequenz GENAU DAS MACHEN, WAS SIE MACHEN WOLLEN.  Er beschreibt, wie Elfquest, Bone und ebenso Cerebus ein Erfolg waren, weil es genau das war, was ihre Autoren machen wollten, und das machte es zu etwas besonderem.  Es war authentisch und einmalig.
Vor kurzen las ich ein Interview mit Bill Watterson über seine ersten Schritte als Zeichner. Er hatte gerade sein Studium abgeschlossen und wollte als politischer Cartoonist Fuß fassen, wie es sein Studienkollege Jim Borgman, ebenfalls in Cincinnatti, bereits erfolgreich getan hatte. Bill Watterson fing bei der konkurrierenden Zeitung mit seinem politischen Zeichnungen an, und es funktionierte und funktionierte nicht, und laut seinen eigenen Worten kam er im Vergleich mit Jim Borgman nicht besonders gut weg.  Nach einem quälenden halben Jahr wurde er gefeuert.  Und erst in den arbeitslosen Monaten darauf begann er, Ideen für eine eigene Serie zu entwickeln. Und so entstand CALVIN & HOBBES.
Terry Moore, dessen großartiges ECHO ich gerade lese, versuchte jahrelang, Comicsstrips an Zeitungen zu verkaufen. Dann versuchte er es bei den großen Maistreamverlagen mit Superheldenzeugs.  Nach hunderten von Ablehnungen beschloss er, im Selbstverlag eine eigene Serie anzugehen,  und STRANGERS IN PARADISE wurde ein Hit.
Es steht in vielen Büchern, und es ist auch meine Erfahrung: je genauer wir wissen, wo wir hin wollen, je klarer das Bild vor unseren Augen erscheint, je definierter unser Ziel ist, desto erreichbarer ist es. Zeichnen, klar. Kreativ, klar. Aber was genau? Eines meiner Lieblingszitate aus den Interviews auf Commsarts.com ist „Mal dir dein Traumprojekt aus, und dann sorg dafür, dass du der perfekte Künstler für dieses Projekt wirst.“ Also, was ist dein Traumprojekt? Fotorealistische Metal-CD-Cover? Elfen in Aquarell? Bizarre Kinderbücher? Graphic Novels?
Ich war bereits einige Jahre in Comics unterwegs, und meine Cartoons bei der SAARBRÜCKER ZEITUNG hatten in drei Tagen 3 Millionen Hits. Ich bekam einen Folgeauftrag, eine Cartoonkampagne für das E-Paper der Zeitung, und alles schien in Bewegung.
Und dann begegnete mir BOX OFFICE POISON. 608 Seiten Comics.  Mein großer SOWAS WILL ICH MACHEN-Moment. Seitdem bin ich auf einem Weg, der sich zu jedem Zeitpunkt richtig anfühlt, und ich kann nur jedem wünschen, dass er auch „sein Ding“ findet. Denn wie gesagt, ich kenne Dutzende von kreativen, talentierten Menschen, die einfach nicht wissen, in welche Form sie ihre Ideen gießen sollen. Und so vergeht Jahrzehnt um Jahrzehnt.
Ich ziehe zwei Fazits aus dem Text von Dave Sim und den Karrieren von Terry Moore, Bill Watterson und Jeff Smith:
1.       Erfolg und Geld sind die falschen Gründe.  Es sind hervorragende Nebeneffekte, aber beschissene Hauptmotivationen.
2.       Man findet „sein Ding“ nicht, indem man nichts macht. Alle diese Leute waren aktiv und sammelten ihre Erfahrungen, bis ihnen klar wurde, was sie wirklich wollen.
Links:
Mein perfekter Comics. Ein älterer Text über meinen fiktiven "perfekten Comic", geschrieben kurz nach Box Office Poison.

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