Sonntag, 5. Juni 2011

Sei nicht so von oben herab: Ein Schlaglicht auf Perspektive im Dialog und allgemein

Hallo und guten Tag, ich begrüße euch zu einer neuen Folge von DER COMIC IM KOPF, und bei mir im Studio ist heute mein geschätzter Zeichenkollege Leonardo da Vinci. Hallo Leonardo.

Leonardo: Ja Tach.

DCIK: Leonardo, was wäre deiner Meinung nach das erste, was Zeichner lernen sollten?

Leonardo: Perspektive.

DCIK: Ach Kacke. Wieso das denn.

Leonardo: Ich weiss, die meisten schieben Perspektive vor sich her wie einen lästigen Arzttermin ….

DCIK: ...weil Gesichter und Figurenzeichnen soviel interessanter ist …

Leonardo: …. aber nur wenn du Perspektive draufhast, kannst du Personen aus jedem beliebigen Winkel zeichnen. Und das erweitert deinen erzählerischen Horizont beträchtlich.

Mal gucken, was Perspektive im Erzählen für uns tun kann ...

Himmelhoch jauchzend, am Boden zerstört: Perpektiven und ihre Subtexte

Die Perspektive von Macht und Stärke: die Untersicht (Low angle)

Ein typisches Superheldencover, wie dieses hier arbeitet mit Vorliebe mit der Perspektive, die UNTERSICHT genannt wird. Wir nehmen den Blickwinkel von unten ein, als wären wir ein geschlagener Gegner, der vor den Helden auf dem Boden liegt. Die Untersicht lässt Objekte stärker, größer, mächtiger wirken. Den Effekt kann man subtil einsetzen oder überzeichnet, wie es häufig passiert, wenn zB jemand eine Wache auf eine andere Person richtet.

Bild: Der Gunpoint wird sehr gerne von oben eingenommen, damit wir mehr Schiss kriegen.

Die Perspektive der Niederlage: Aufsicht (High angle)

Im Gegensatz dazu lässt ein erhöhter Blickwinkel die betrachtete Person kleiner und schwächer erscheinen. Die nachfolgenden Bilder haben alle denselben Satz, aber verschiedene Subtexte (draufklicken für eine vergößterte Ansicht):


Schiefgelaufen: Die Schrägsicht (dutch angle oder
Batman angle)

Die Schrägperspektive, oder Dutch angle, raubt dem Bild den Horizont, und wird mit Vorliebe für, naja, schräge Gestalten oder Situationen verwendet. Wenn du morgens in die Küche kommst, um die einen Kaffee zu machen, und am Küchentisch sitzt ein riesiges Insekt, wäre das der pefekte Moment für eine Schrägsicht. Dieser Blickwinkel erweckt den Eindruck, als als bekäme der Betrachter etwas wackelige Knie beim Anblick des Gezeigten. Es hat einen Beigeschmack von Verwirrung, Instabilität, Bedrohung und Andersartigkeit.

Bild eins: WIR HABEN SCHON AUF SIE GEWARTET. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber für mich hat diese Perspektive etwas sehr bedrohliches und kafkaeskes.

Natürlich war es auch keine gute Idee, BESOFFEN zum Bewerbungsgespräch zu erscheinen.

Bild zwei: Hier läuft doch was schief. Die schräggestellte Erde hinter der guten Frau suggeriert, dass sie etwas überraschendes, unerwartetes erfährt.

Bild drei ist einfach nur ein Beispiel, wie diese Perspektive das Gefühl der Instabilität und Verwirrung unterstützen kann.


Ganz nebenbei: die entstehenden Diagonalen erzeugen ein starkes Gefühl der Bewegung.

Im Design gelten horizontale und vertikale Linien als ruhig, seriös und konservativ, jede Art von Bewegung, Unruhe und Dynamik wird durch diagonale Linien erzeugt. Die Diagonale spielt eine wichtige Rolle bei der Darstellung von Action und Bewegung, und wird uns dort nochmal begegnen.



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